Die Lufthansa Group hat ihre Tarifstruktur auf Europa-Flügen neu aufgestellt: Für Reisen ab dem 19. Mai 2026 stehen vier Tarifoptionen in der Economy und drei in der Business Class zur Verfügung. Die Lufthansa Group ist damit zweifelhafter Vorreiter beim Thema Economy Basic bei den Netzwerk-Airlines.
Den Begriff kennen wir aus den USA, dort beschreibt “Economy Basic” schon seit vielen Jahren den günstigsten Economy Class Tarif, den es gibt. Doch selbst dort ist immer noch ein “vernünftiges” Handgepäck, also ein IATA-konformer Handgepäck-Trolley inkludiert. Die Lufthansa Group geht hier einen Schritt weiter – und testet, wie weit sich das von Ryanair, Wizzair und Co. bekannte Modell in ein Premium-Ökosystem integrieren lässt. Economy Basic heißt bei der Lufthansa Group also neuerdings: Billigflieger-Niveau. Zumindest dann, wenn man kein Vielflieger ist.
Das steht auch im starken Kontrast zur aktuellen Service-Offensive auf den Langstreckenflügen der Lufthansa, dank der man insbesondere in den Premiumklassen ein spürbar besseres Service- und Catering-Erlebnis genießen darf. Während die Entwicklung also auf der Langstrecke positiv ist, sollen auf der Kurzstrecke auch die letzten verbliebenen Differenzierungen zur Low-Cost-Airline noch verschwinden.
Wird das Mini-Handgepäck auch bei Netzwerk-Airlines zum Trend?
Es ist die Krönung des seit Jahren anhaltenden Trends hin zu immer weniger inkludierten Leistungen in der Economy Class. Ein Trend, den die Billigairlines in Europa gestartet und konsequent weiter verschärft haben. Die Netzwerk-Airlines zogen allesamt nach – Aufgabegepäck, Sitzplatzreservierungen und weitere Zusätze lassen sie sich seitdem ebenfalls zusätzlich zum Ticketpreis bezahlen.
Doch einen Unterschied gab es bislang noch immer: Wer sich ein Ticket bei den Netzwerk-Airlines kauft, kann zumindest seinen Handgepäckkoffer kostenfrei mitnehmen, auch im günstigsten Tarif. Dem will die Lufthansa Group nun ein Ende bereiten und betritt damit Neuland – zumindest für klassische Netzwerk-Airlines. Ziehen andere Branchen-Größen wie Air France / KLM oder British Airways demnächst nach, bleibt die Lufthansa Group damit allein oder rudert sie vielleicht sogar schon bald wieder zurück? Die Motive liegen jedenfalls auf der Hand:
- Massiver Preisdruck durch die zahlreichen Low-Cost-Airlines in Europa
- Bessere Vergleichbarkeit in Metasuchmaschinen wie Kayak (niedrigere Einstiegspreise = bessere Sichtbarkeit neben Low-Costern)
- Steigerung der Zusatzerlöse
Die neuen Tarife im Überblick
Economy Class
Der neue Economy Basic Tarif beinhaltet nur noch einen persönlichen Gegenstand (z. B. Laptop-Tasche oder kleiner Rucksack bis 40 × 30 × 15 cm). Kein klassisches Handgepäckstück, kein Aufgabegepäck, keine Flexibilität. Das ist bemerkenswert.
- Economy Basic: Erstattung nicht möglich, Umbuchung nicht möglich
Im Gegenzug wird der Economy Light Tarif minimal besser und bietet künftig die Option, gegen Zahlung einer Gebühr in Höhe von 100 Euro das Ticket umzubuchen, was vorher gar nicht möglich war.
- Economy Light: Erstattung nicht möglich, Umbuchung 100 Euro
Economy Classic und Economy Green werden umbenannt in Economy Comfort und Economy Comfort Green, ansonsten tut sich nichts. Zu erwähnen ist aber, dass wir die Green Tarife generell nicht empfehlen, hier sollten Sie lieber auf einen der anderen Tarife in Kombination mit einem separat zubuchbaren CO2-Ausgleichspaket setzen.
- Economy Comfort / Comfort Green: Erstattung nicht möglich, Umbuchung 80 Euro
Selbst in der teuersten Tarif-Option müssen Sie im Stornofall noch Geld bezahlen, und das nicht zu knapp: Ganze 150 Euro kostet die Stornierung Sie im Economy Flex Tarif. Senatoren und HON Circle Mitglieder können bei Buchung des Flex Tarifs kostenfrei Preferred Zone Seats und Extra Legroom Seats reservieren.
- Economy Flex: Erstattung 150 Euro, Umbuchung kostenfrei
Business Class
In der Business Class wird die bisherige Struktur Saver – Classic – Flex umbenannt. Künftig gibt es Comfort, Comfort Green und Flex. Zudem verliert nun der Business Comfort Green Tarif die Möglichkeit der Umbuchung und der Comfort wie auch Comfort Green beinhalten nur mehr ein Aufgabegepäckstück (mit 32 kg) statt der bisherigen zwei Stücke. Auch hier gilt: Der Green Tarif ist nicht empfehlenswert, separate CO2-Ausgleichspakete deutlich besser.
- Business Comfort / Comfort Green: Erstattung nicht möglich, Umbuchung nicht möglich
- Business Flex: Erstattung kostenfrei, Umbuchung kostenfrei
Kommt Business Light auch auf der Kurzstrecke?
Auf der Langstrecke wurde kürzlich bereits ein “Business Light” Tarif eingeführt, der aber im Gegensatz zu den Business Light Produkten der Konkurrenz immer noch Freigepäck und Loungezugang bietet. Die Sitzplatzreservierung hingegen kostet Geld. Ob ein Business Light Tarif – z.B. ohne Aufgabegepäck – auch auf der Kurzstrecke kommt, bleibt abzuwarten.
Kontrollen in der Realität
Economy-Basic-Kunden werden konsequent in die letzte Boarding-Gruppe eingeteilt, um die Kontrolle zu vereinfachen, auch an Self-Scan-Gates besser durchsetzen zu können und den Boardingprozess idealerweise zu beschleunigen.
Wie ist es mit Vielfliegerstatus?
Senatoren und HON Circle Mitglieder haben Glück – sie erhalten auch künftig ein kostenfreies großes Handgepäckstück bei Buchung des Economy Basic Tarifs.